Sommer, Sonnensegel, Plissee und Baggersee

Jeder Mensch hat einen Ort, an dem er sich zuhause oder besonders wohl fühlt. Für die meisten ist es das eigene Häuschen im Grünen oder die moderne Stadtwohnung mit viel Komfort und Luxus, andere sehnen sich an einen Ort aus ihrer Kindheit oder Jugend zurück und viele zieht es in der Ferne, um sich in anderen Ländern die Sehnsucht nach Glück zu erfüllen.

Für mich gibt es keinen besseren Platz auf der ganzen weiten Welt als meinen Baggersee. Auch als es noch gar keiner war, sondern nur ein riesiges Erdloch – denn schon als Kind war ich von den großen Baggern fasziniert, die die Landschaft von Tag zu Tag anders aussehen ließen. Ganz gleich, ob wir in den Ferien ans Meer oder in den Berge fuhren – immer vermisste ich die gewohnten Bagger-Geräusche, die mein Leben von Beginn an begleiteten.

Wenn ich heute nach getaner Arbeit unter einem Sonnensegel am Ufer des Baggersees dem Zwitschern der Vögel und dem Rauschen des Windes in den Blättern lauschen kann, bin ich natürlich froh, dass sich der Tagebau in ein herrliches Badeparadies verwandelt hat. Die Natur hat sich die Landschaft zurückerobert, überall entstehen hübsche Ferienhäuser, im Sommer strömen die Menschen in Scharen zum Baden an den Baggersee und Winter zum Entspannen oder auch Schlittschuhlaufen.
Die längste Zeit, die ich mal vom Baggersee getrennt war, war während meiner Hochzeitsreise in die Karibik. War ja ganz nett, die weißen Strände mit Palmen, warmes Wasser bis zum Horizont und die niedlichen Bambusbungalows mit Plissee Gardinen an den Fenstern und Hula-Musik von morgens bis abends. Doch schon nach 3 Tagen bekam ich Heimweh nach meinem Baggersee, oder besser gesagt, nach meinen Baggern. Ich versuchte mit Motorboot und Jetski-Fahren meinen Bedarf an ratternden Geräuschen zu decken, doch war dies nur ein kläglicher Versuch. Nicht einmal das shoppenin heimischen Läden wie Jeans-, Schuh- und Plissees Faltstores konnte mir bei meinem Heimweh helfen. War ich froh, als wir endlich wieder an den Baggersee zurückkehrten, wo ich auch gleich auf meinen allergrößten Bagger stieg und eine große Runde um den See drehte, um beruhigt feststellen zu können, dass alles noch so war wie immer.